GVH 1884 e.V.

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1884 - 1984 geschrieben von Erwin Jammer

Gesangverein "Eintracht" Hausen 1884 e.V. Das Vereinsleben ist eingebettet in die Zeitgeschichte und wird von ihr in hohem Maße geprägt. In den ersten sechs Jahrzehnten des Vereins trat in Deutschland eine Reihe von einschneidenden politischen und wirtschaftlichen Veränderungen ein, die auch das kleine Dörfchen berührten und die Existenz der Vereine mehr als einmal erheblich belasteten. Man denke an die zeitgeschichtliche Entwicklung dieser rund 60 Jahre:

Kaiserzeit,
1. Weltkrieg,
Inflation,
Weimarer Republik,
Arbeitslosigkeit,
Nationalsozialismus,
2. Weltkrieg,
Zusammenbruch 1945.

Wenn der GV "Eintracht" Hausen all diese Wirrungen überlebt hat, dann ist dies den Männern zu verdanken, die in Krisenzeiten ihre ganze Kraft für die Erhaltung und Wiederbelebung des Vereins einsetzten. Ohne diesen Einsatz wäre der Fortbestand des Vereins wohl nicht möglich gewesen. Wie sah es in Hausen und in Deutschland zum Zeitpunkt der Gründung des GV "Eintracht" Hausen aus?

Hausen zählte zu dieser Zeit (1883/1884) etwa 355 Einwohner. Man registrierte 35 Ackerleute, 10 Gewerbetreibende und 40 männliche Tagelöhner. Den Acht-Stunden-Tag und das freie Wochenende kannte man nicht. Ein Arbeitstag mit 12 Stunden war keine Seltenheit. Der Weg zur Arbeit nach Gießen usw. wurde von vielen noch zu Fuß bewältigt. Landwirtschaftliche Maschinen waren noch weitgehend unbekannt, die meisten Arbeiten wurden von den Ackerleuten von Hand verrichtet. Das elektrische Licht war noch unbekannt (es brannte in Hausen erstmals am 19.11.1913). Das Wasser schöpfte man aus den zahlreichen Dorfbrunnen (die Wasserleitung wurde im Jahr 1909 in Betrieb genommen). Die Eisenbahn verkehrte dagegen bereits. Anfangs nur zwischen Gießen und Hungen. Sie dampfte erstmals am 29.12.1869 an Hausen vorbei. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vollzogen sich in unserem Lande gewältige Veränderungen durch Industrialisierung und technologische Entwicklung. Fabriken und damit Arbeitsplätze in größerem Ausmaß entstanden, die Menschen waren nicht mehr an die dörfliche Enge gebunden. Gewerkschaften wurden gegründet. Bismarck erließ die Sozialgesetze (u.a. 1883 die Krankenversicherung und 1884 die Unfallversicherung).


Die aus der napoleonischen Zeit ursächlich herrührende allgemein große Not war langsam überwunden. So erwachte in dieser Zeit des großen Umbruchs mehr und mehr das bürgerliche Selbstbewusstsein. So ist es sicherlich kein Zufall, dass gerade in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts überall in deutschen Landen Vereine gegründet wurden. Turnvereine, Kriegsvereine und besonders Gesangvereine.

Am 14. Januar 1884 fanden sich schließlich auch in Hausen junge sangesfreudige Männer zusammen und gründeten den Gesangverein "Eintracht". Der erste Vorsitzende der "Eintracht" war Georg Schmandt. Er stand dem Verein bis zum Jahr 1887 vor. Ihm folgten von 1887 bis 1890 Heinrich Schäfer III. Kaspar Schäfer übernahm den Vorsitz in den Jahren 1890 bis 1892. Von 1892 bis 1894 hieß der Vorsitzende Heinrich Schlund. Es folgte von 1894 bis 1895 Karl Engelhardt, von 1895 bis 1898 Ludwig Zahrt. Der erste Vorsitzende der längere Zeit den Verein führte war von 1898 bis 1907 Ludwig Hörr. Er übergab den Vorsitz 1907 an Philipp Schlund, der 1909 von Heinrich Größer abgelöst wurden. Heinrich Größer war Vorsitzender bis 1911. Von 1911 bis 1913 hieß der Vorsitzende erneut Philip Schlund. Die Unterlagen über die Vereinsgründung, sowie über die ersten Jahre des Vereinsgeschehens existieren leider nicht mehr. Aus Aufzeichnungen, die von älteren Mitgliedern aufgrund von mündlichen Überlieferungen und zum Teil aus eigenem Erleben nachvollzogen wurden, lässt sich jedoch einiges über diese Zeit entnehmen. So soll bereits vor Gründung des GV "Eintracht" in Hausen ein Singverein bestanden haben. Die Mitglieder dieses Singvereins traten geschlossen der neugegründeten "Eintracht" bei, so ist vermerkt.

Der GV "Eintracht" zählte bei seiner Gründung 35 Mitglieder. Sie waren alle aktive Sänger. Dieses war - gemessen an der Einwohnerzahl des Dorfes - schon eine beachtliche Anzahl. Es darf angenommen werden, dass Lehrer Nikolaus, der der erste Dirigent der "Eintracht" war, maßgeblichen Anteil an der Gründung hatte. Laut Überlieferung hielt der Singverein seine Übungsstunden in der damaligen Gaststätte Dern in der Bachgasse ab (heute Haus der Familie Brücher). Die "Eintracht" nutzte zunächst den Schulsaal bzw. den Rathaussaal für die Singstunden. Hierzu (Schulsaal bzw. Rathaussaal) ist in den Archivunterlagen der Gemeinde Hausen folgendes nachzulesen:
Im Jahre 1885 führte der damalige Bürgermeister Verhandlungen mit der Kreisschul- Kommission wegen des schlechten Zustandes des Schulgebäudes (dieses stand unterhalb der Kirche - es wurde nach dem zweiten Weltkrieg im Zuge der Rathauserweiterung und Neugestaltung des Platzes vor der Kirche niedergerissen). Die Verhandlungen führten schließlich dazu, dass seit dem 22. Oktober 1886 der Rathaussaal als Schulsaal genutzt wurde. Die abendlichen Singstunden wurden bis Ende 1913 noch bei dürftigem Petroleumlicht abgehalten. Es ist leider nicht mehr auszumachen, wann der GV "Eintracht" in das Vereinslokal "Zur Jahneiche" - damals noch Gastwirtschaft Fink - umgezogen ist. Es war aber sicher noch in der Zeit, da die Petroleumlampen spärlich leuchteten.
Die Mitglieder der "Eintracht" zahlten bereits im Jahr 1884, dem Gründungsjahr, einen Beitrag von 30 Pfennigen. Die ersten Liederbücher wurden von den Sängern für 52 Pfennig je Stück erworben. Der Dirigent, Lehrer Nikolaus, erhielt eine Mark für die Singstunde. Im Zusammenhang mit der Gründung des GV "Eintracht" Hausen ist folgendes interessant und erwähnenswert:


In der Festschrift zum 100-jährigen Bestehen des Turnvereins 1864 Hausen (1964) ist zu lesen, dass die aktive Tätigkeit des TV mit der Niederschrift vom 27. Januar 1884 endete und erst wieder im Jahr 1906 auflebte. Im gleichen Monat, nämlich im Januar 1884 stellte der TV seine aktive Tätigkeit ein und die "Eintracht" wurde gegründet. Es ist nicht auszuschließen, dass zwischen beiden Vorgängen ein Zusammenhang bestand. Angaben oder Unterlagen hierfür konnten leider nicht mehr gefunden werden.

So bleibt die Frage: "Was mag sich damals in Hausen zugetragen haben?" Als der GV "Eintracht" gegründet wurde waren die Kriege von 1866 und 1870/71 noch in lebendiger Erinnerung. So ist zu verstehen, dass zu dieser Zeit vorwiegend Vaterlands- und Freiheitslieder gesungen wurden, neben den alten Volksliedern, welche über die Spinnstuben vererbt worden waren.

Die ersten Jahre des jungen Vereins flossen bei eifrigem Singstundenbesuch ruhig dahin. In Nachbargemeinden bestanden bereits "ältere" Gesangvereine. Die Sänger der "Eintracht" Hausen nutzten schon bald die Möglichkeiten dort Sängerfeste und Konzerte zu besuchen und Anregungen für die eigene Sangestätigkeit mit nach Hause zu nehmen. Der GV "Eintracht" feierte jährlich im Winter sein Stiftungsfest mit Liedvorträgen, Theateraufführungen und anschließendem Tanz. Diese Veranstaltungen waren damals als Unterhaltungsmöglichkeit für die Sänger und alle Einwohner der Gemeinde ein freudiges Ereignis und eine willkommene Abwechslung zum Alltag. Den Mitgliedern des Vereins wurde bereits damals, wie auch noch heute, bei freudigen und traurigen Anlässen (Hochzeit, Ehejubiläum, Tod) gesungen.

Im Jahr 1898 wurde die Geschlossenheit des Vereins zum ersten Mal auf eine Bewährungsprobe gestellt. In diesem Jahr wurde in Hausen ein zweiter Gesangverein, die "Germania" gegründet. Einige Sänger wechselten von der "Eintracht" zum neuen Verein über. Vereinslokal der "Germania" war die Gastwirtschaft Herbert, später "Zum Adler" genannt.

Dieser "Schrumpfung" der "Eintracht" durch den Weggang einiger Sänger folgte jedoch bald eine Neubelebung. Angeregt durch die "Konkurrenz" fanden neue Sänger zu der "Eintracht". Passive Mitglieder wurden aktiv. Lehrer Nikolaus legte allerdings damals nach 14-jähriger Tätigkeit den Dirigentenstab nieder. Er wollte als Lehrer im Dorf neutral bleiben. Georg Harnisch, ein junger Musiker aus Watzenborn-Steinberg, dirigierte nunmehr den GV "Eintracht" Hausen. Er verstand es, die Männer für den Gesang zu begeistern. Sicher ist es auch sein Verdienst, dass sich die Sängerzahl erhöhte und die erste Krise rasch überwunden war.
Im Jahr 1899 feierte der GV "Eintracht" unter den alten Eichen unter dem Kirchberg (heute steht dort das Haus der Familie Pötzl) ein Waldfest. Es war dies vermutlich die erste größere Veranstaltung des Vereins. Im Jahr 1901 startete die "Eintracht" ihren ersten großen Ausflug. Ziel war das Niederwalddenkmal in Rüdesheim. Dies ist für damalige Zeiten schon als besonderes Ereignis anzusehen. Ein erster Höhepunkt in der Geschichte des GV "Eintracht" war das Sängerfest aus Anlass des 20-jährigen Bestehens im Jahre 1904. Auf diesem Fest wurde die Vereinsfahne geweiht, die der Verein noch heute in Ehren hält. Sie kostete 100.- Mark.Der Betrag wurde durch eine Sonderumlage aufgebracht. Zum Fest waren mehrere Gesangvereine gekommen. Diese brauchten keinen Eintritt zu entrichten, mit Ausnahme der Sänger von Alten-Buseck. Diese zahlten je 20 Pfennige Eintritt, da die "Eintracht" bei ihnen auch hatte Eintritt zahlen müssen, so ist nachzulesen.


In den Jahren 1908 und 1909 war Ludwig Schäfer aus Garbenteich Dirigent der "Eintracht". Er wurde von Herrn Buchholz aus Gießen abgelöst, der bis zum Jahre 1911 in Hausen blieb. Im Jahr 1911 wurde die "Eintracht" erneut stark erschüttert. Ursache waren anstehende Bürgermeister- und Gemeinderatswahlen. Heftige Auseinandersetzungen zwischen den Bewerbern und deren Anhängern wurden auch in den Verein hineingetragen. Das Ergebnis war schließlich, dass zwei Vorstandsmitglieder und eine Anzahl weiterer Sänger der "Eintracht" den Rücken kehrten. Doch auch diese unruhige Zeit wurde überstanden. Es bestätigte sich nämlich, dass Krisen die Menschen zusammenbringen. Aufgerüttelt durch die Vorgänge fanden ehemalige Sänger wieder den Weg zu den Singstunden. Viele junge Burschen kamen neu hinzu. Als neuer Dirigent wurde im Jahre 1911 der Musiklehrer Gutjahr aus Gießen verpflichtet. Dies war für den kleinen Verein eine mutige, aber auch kostspielige Sache, denn Herr Gutjahr stellte als Musiklehrer in jeder Hinsicht erhöhte Anforderungen an den Verein. Dass Herr Gutjahr den kleinen Verein übernahm, lässt aber auch erkennen, welches Vertrauen er in die Leistungsfähigkeit des verjüngten, aber auch in seiner Geschlossenheit wieder gefestigten Verein setzte. Auf Veranlassung des neuen Dirigenten erwarb der Verein ein Harmonium. Die Finanzierung erfolgte durch freiwillige Spenden. Unter der Stabführung von Herrn Gutjahr nahm die "Eintracht" im Jahr 1913 am Punktewertungssingen in Annerod teil. Bei starker Konkurrenz (es waren meistens größere Vereine) erhielten die "Eintracht"-Sänger die höchste Punktzahl, so ist stolz vermerkt. Vorsitzender in dieser Zeit (1913 - 1914) war Karl BoppIm Jahr 1914 konnte der Verein sein 30-jähriges Bestehen in Form einer Abendveranstaltung mit Liedvorträgen und Theateraufführungen feiern. Bemerkenswert ist hier die aktive Beteiligung der Mitglieder, aber auch der Frauen und Mädchen, denn an diesem Abend wurden vier verschiedene Theaterstücke aufgeführt, wozu die Mitwirkenden ihre Rollenbücher noch selbst kauften. Mit Ausbruch des 1. Weltkrieges am 01. August 1914 erlosch die Sangestätigkeit des Vereins, da viele Sänger eingezogen wurden. Während der Kriegsjahre entstanden erhebliche Lücken in den Reihen der Mitglieder. Zwölf Sänger kehrten nicht zurück, ältere Mitglieder verstarben in der Heimat. Mit dem Ende des furchtbaren Krieges traten erhebliche Veränderungen in Deutschland ein. Die Kaiserzeit war beendet, die Weimarer Republik wurde ausgerufen. Eine große Verunsicherung machte sich unter den Menschen breit. Zerrissenheit, bedingt durch die vielen Parteien und Interessengruppen, beeinflusste in hohem Maße die Neuorientierung. Dazu kam allgemein große Not, die als Folge des Krieges überall zu spüren war. Doch über alle diese Belastungen hinweg setzte sich bald ein neuer Lebenswille durch. Das naturgegebene Bedürfnis, endlich wieder dem Leben einen Sinn zu geben und ihm auch ein wenig Freude abzugewinnen, war stärker als all die Not. So ist es zu verstehen, dass sich bereits Ende 1919 wieder die Sänger zusammenfanden und mit dem Singen in der "Eintracht" begannen. Neue, junge Sänger kamen hinzu, schließlich waren ja seit 1914 inzwischen fünf Jahrgänge nachgewachsen. Mit der "Eintracht" ging es daher auch verhältnismäßig rasch wieder aufwärts. Der erste Vorsitzende der wiedererstandenen "Eintracht" wurde Philipp Schlund, der dem Verein bis 1926 vorstehen sollte. Als Dirigent wurde Karl Heller aus Hausen verpflichtet. Er war ein leidenschaftlicher Sänger und Musiker. Mit ihm sahen die Sänger der "Eintracht" hoffnungsfroh in die Zukunft. Diese Hoffnung fand am 14. Juli 1921 jedoch ein jähes und schmerzhaftes Ende. An jenem Tag verunglückte Karl Heller an seinem Arbeitsplatz bei den Gail'schen Tonwerken in Gießen tödlich. Ein schwerer Verlust hatte die "Eintracht" getroffen..

Von 1921 bis 1926 dirigiert Heinrich Textor aus Garbenteich die Hausener "Eintracht". Der Verein zählte zu dieser Zeit 55 aktive Sänger. Nach altem Brauch wurde auch nach dem Kriege zunächst noch zu den Singstunden geblasen. In der Generalversammlung von 09. Februar 1925 wurde beschlossen, das Bekanntgeben der Singstunden durch das Signalhorn abzuschaffen. Eine schöne alte Sitte war den Zeitveränderungen zum Opfer gefallen. Der seit Kriegsende schleichende Verfall der Währung erreichte mit der Inflation im Jahre 1923 seinen Höhepunkt. Dies führte auch bei der "Eintracht" zu erheblichen Schwierigkeiten. Besonders betroffen war der Vereinsrechner. Betrug der Monatsbeitrag im Jahre 1920 noch 1.- Mark, so waren es in 1922 bereits 20.- Mark und Anfang 1923 schon 50.- Mark. Dann ging es mit den Beträgen so rasend aufwärts, so dass nunmehr für jeden Monat neue, höhere Beiträge beschlossen und erhoben werden mussten. In gleichem Maße entwickelten sich die Ausgaben, insbesondere die Vergütung des Dirigenten, die ebenfalls laufend angepasst werden musste. Die letzte Zahlung - es war für das letzte Vierteljahr 1923 - betrug 6,475 Billionen Mark!!!In dieser wirren Zeit stellte so mancher Verein seine Tätigkeit ein. Die "Eintracht" konnte sich, so der Chronist, "allen Gewalten zum Trotz" erhalten. Mit der Einführung der Rentenmark durch Gesetz vom 13. Oktober 1923, die am 30. August 1924 von der Reichsmark abgelöst wurde, stabilisierten sich die wirtschaftlichen Verhältnisse. Der Monatsbeitrag wurde nunmehr auf 25 Pfennig für die aktiven und auf 15 Pfennig für die passiven Mitglieder neu festgesetzt. Der Dirigent erhielt 3.- Reichsmark für die Singstunde. 1924 bestanden der TV 1864 Hausen 60 Jahre und der GV "Eintracht" Hausen 40 Jahre. Beide Vereine feierten ihre Jubiläen gemeinsam mit einem Fest am 24. Juli 1924 in der Oberau. An diesem gemeinsamen Fest nahmen außer den Ortsvereinen (dem MGV "Germania" und dem Kriegerverein) die Turnvereine aus Steinbach und Albach teil.

Die folgenden Jahre verliefen relativ ruhig. Höhepunkte waren jeweils die jährlichen Wintervergnügen (Stiftungsfeste) und der Besuch von Sängerfesten. 1927 sorgte eine Fahrt an den Rhein für willkommene Abwechslung. Der Verein zählte zu dieser Zeit um die 80 Mitglieder, wovon rund 60 aktive Sänger waren. Im Jahre 1926 wurde Heinrich Göbel, der seit 1920 Schriftführer bei der "Eintracht" gewesen war, zum 1. Vorsitzenden gewählt. Seit 1927 dirigierte Philipp Groß aus Wieseck den Verein. 1930 nahm der GV "Eintracht" an der 800-Jahr-Feier auf dem Schiffenberg teil. Die Singstunden wurden damals noch in der Oberstube über der Gaststube des Vereinslokals gehalten. Eigentümer des Anwesens war Marie Schardt Witwe geb. Fink. Im Jahr 1928 übergab sie ihr Grundstück, nebst Gastwirtschaft, da selbst kinderlos, an ihren Neffen Heinrich Fink. Dieser ließ das Gasthaus alsbald außen und innen restaurieren. Hierbei erhielt die Gaststätte zum ersten Male den Namen "Zur Jahneiche". Zu dieser Zeit wurde auch der Heuboden wieder zum kleinen Saal umgebaut. Dieser Raum war ursprünglich der Saal der Gaststätte gewesen und nach dem Bau des größeren Saales zum Heuboden umfunktioniert worden. Nachdem der kleine Saal wieder bezugsfertig war, wurden die Singstunden dorthin verlegt. Nach nur wenigen Jahren des wirtschaftlichen Aufstieges nach der Inflation begann bald ein ständig zunehmender Verfall. Die Arbeitslosigkeit nahm erschreckend zu und erreichte bis Ende 1932 in Deutschland einen Stand von mehr als sechs Millionen. Diese Misere wirkte sich auch im Vereinsleben aus. Die "Eintracht" litt sehr unter diesen Verhältnissen. Mehr und mehr Sänger wurden erwerbslos. Viele waren inzwischen ausgesteuert, d.h. sie erhielten praktische keinerlei Unterstützung mehr. Vielfach konnte der - bereits herabgesetzte - Beitrag nicht mehr entrichtet werden. Austritte aus dem Verein waren die Folge.

Der erste Vorsitzende spricht im Jahresrückblick auf das Jahr 1932 von "einer furchtbaren Geldnot". Der Verein war zu drastischen Sparmaßnahmen gezwungen, u.a. wurden Singstunden eingespart. Die Zahl der Sänger war auf 41 gesunken. Dann kam das Jahr 1933. Wie sehr das Vereinsleben durch die zeitgeschichtlichen Ereignisse beeinflusst wird, belegt in besonderem Maße die Entwicklung im Jahr 1933. Die neuen Machthaber ordneten an, dass alle Vereinsgeschehen nach ihren Richtlinien neu zu ordnen seien. Die bestehenden Vereine waren aufzulösen. Neuordnung im Sinne der Machthaber war geboten. Man nannte dies "Gleichschaltung". Hierzu wird aus dem Protokollbuch der "Eintracht" zitiert:
"Schlussgeneralversammlung vom 28. Oktober 1933"
Zur Förderung Deutscher Volksgemeinschaft sind die beiden in Hausen bestehenden Gesangvereine, Eintracht (gegründet 1884) und Germania (gegründet 1898) bereit, sich zu vereinigen. Durch den Stützpunktleiter der NSDAP ist angeordnet worden, dass mit dem 27. Oktober 1933 beide Vereine als geschmolzen betrachtet werden…" Dieser Schlussgeneralversammlung waren bewegende Aussprachen vorausgegangen. Die "Eintracht" war auf Veranlassung der Parteiorgane am 12.04.1933 dem Hessischen Sängerbund beigetreten. Dieser hatte die "Gleichschaltung" angeordnet. In der außerordentlichen Generalversammlung von 08.06.1933 waren die angeordneten Maßnahmen bekannt gegeben worden. Der gesamte Vorstand hatte zuvor seine Ämter niedergelegt. Bürgermeister Heinrich Göbel, der bis dahin 1. Vorsitzender der "Eintracht" gewesen war, wurde zum kommissarischen Leiter ernannt. Mit dem ehrlichen und guten Willen, eine nahezu 50-jährige Tradition in Hausen weiter zu pflegen, gingen die Mitglieder der bisherigen "Eintracht" in den "Gesangverein Hausen" über. Die zuständigen Parteistellen bestimmten Heinrich Göbel zum 1. Vorsitzenden des gemeinsamen Vereins. Als Dirigent wurde mit Zustimmung der Partei Philipp Schneider aus Steinbach verpflichtet. Das Protokollbuch aus der Zeit ab der Verschmelzung beider Hausener Gesangvereine bis zum 2. Weltkrieg wurde mit weiteren Unterlagen 1945 von unbedachter Hand vernichtet. In einer Niederschrift vom 08. Oktober 1947 wurde die Entwicklung in den Jahren 1933 - 1939 aus der Erinnerung nachvollzogen. Aus dieser und noch vorhandenen Jahresberichten ergibt sich dass die ehemaligen Mitglieder der "Eintracht" zu den Singstunden erschienen. Diese Entwicklung führte schließlich zur erneuten Namensänderung. Seit dem 20. Oktober 1934 trägt der Verein wieder den Namen "Eintracht". Heinrich Göbel blieb bis zum Ende des Krieges 1. Vorsitzender des Vereins. Sicher ist es ihm zu verdanken, dass der Verein die schicksalsträchtige Zeit überstanden hat. Er wurde 1950 zum Ehrenvorsitzenden und 1965 zum Alterspräsidenten ernannt. Er verstarb am 01. Februar 1975.

Das Gesangsleben, das in der Umbruchzeit 1933/1934 stark gelitten hatte, stabilisierte sich mit der wiedererstandenen "Eintracht" wieder. In der Folgezeit, in der mit der neuen Staatsform neue Lebensnormen zwangsläufig allmählich Gewohnheit wurden, ging die Sangestätigkeit ziemlich ungestört weiter. 1936 übernahm Otto Bender aus Watzenborn-Steinberg die Stabführung bei der "Eintracht". Er ist im 2. Weltkrieg gefallen.

An Pfingsten 1939 (vom 27. bis 29. Mai) konnte der Verein noch sein 55-jähriges Bestehen feiern. Wenige Wochen später begann der 2. Weltkrieg. Zu dem Fest, das bei schönem Maiwetter in der Oberau gefeiert wurde, waren auch einige Gastvereine erschienen. Mit Beginn des 2. Weltkrieges wurde die Tätigkeit des Vereins erneut jäh unterbrochen. Viele Sänger wurden eingezogen.

Wieder riss ein furchtbarer Krieg große Lücken in die Reihen der Sänger und Mitglieder. Die Namen der Gefallenen und Vermissten beider Weltkriege sind auf einer Ehrentafel verzeichnet, die in Gemeinschaft mit dem TV 1864 Hausen erstellt und am Volkstrauertag 1958 in einer schlichten Feier enthüllt wurde. Sie schmückt heute unser Hausener Bürgerhaus. Der totale Zusammenbruch 1945 brachte erneut große Not über das Land und seine Bevölkerung. Wieder einmal vollzogen sich gewaltige Veränderungen. In allen Bereichen des öffentlichen Lebens war eine völlige Neuorientierung erforderlich. Oberste Regierungsinstanzen im zerrissenen Deutschland waren zunächst die Militärregierungen in den einzelnen Besatzungszonen. Lediglich auf lokaler Ebene setzten diese sehr bald einheimische Bürgermeister und Ortspolizisten ein.
Dass trotz der tiefen Resignation, unter der die Bevölkerung in dieser Zeit litt, bald Männer versuchten, das Vereinsleben wieder in Gang zu bringen, wird wohl als ein "trotziges Dennoch" zu verstehen sein. Schließlich war bei allem Schweren dieser Zeit das Ende des Krieges doch eine Erlösung für die Menschen, woraus letztlich neuer Lebenswille erwuchs. Am 20. März 1947 fanden sich die Sänger des GV "Eintracht" Hausen wieder zusammen. Sie beauftragten den amtierenden Bürgermeister Heinrich Kirchmann mit den zuständigen Stellen (Militärregierung usw.) Verbindung aufzunehmen mit dem Ziel einer "Neugründung" des GV "Eintracht" Hausen. Die Genehmigung kam auch bald und so konnte bereits am 19. April 1947 die "Neugründung" vollzogen werden.

Von der Militärregierung und vom Landratsamt wurde Heinrich Kirchmann zum ersten Vorsitzenden und Heinrich Lotz zum zweiten Vorsitzenden bestellt. Dieser Vorstand war nicht das Ergebnis einer Mitgliederwahl. Er wurde jedoch in der Generalversammlung vom 08. Mai 1948 einstimmig bestätigt und war damit gewählt. Erster Dirigent nach dem zweiten Weltkrieg wurde Philipp Schneider aus Steinbach, der bereits von 1933 bis 1936 als solcher bei der "Eintracht" tätig gewesen war. Nach einem Beschluss der Generalversammlung vom 08. Mai 1948 sollte allen Heimkehrern aus Kriegsgefangenschaft ein Ständchen gebracht werden. Dies geschah in 1948 noch sechs Mal und zuletzt 1950 noch einmal. Das Leben begann sich allgemein, besonders spürbar nach der Währungsumstellung am 21. Juni 1948, wieder zu normalisieren. Auch die Sänger der "Eintracht" trafen sich wieder regelmäßig zu den Singstunden. Neue, insbesondere junge Sänger und auch Männer aus den Reihen der in Hausen ansässig gewordenen Heimatvertriebenen kamen hinzu. Die "Eintracht" trat nach dem Kriege erstmals 1949 wieder öffentlich auf, als die Leichenhalle auf dem Friedhof eingeweiht wurde. Am 03. Dezember 1949 feierte der Verein sein 65-jähriges Bestehen. Zu diesem waren auch Gesangvereine aus Leihgestern, Steinbach und Watzenborn-Steinberg erschienen. Am 05. November 1949 wurde Wilhelm Schäfer zum Vorsitzenden gewählt. Ihm folgte 1951 Theo Maid in diesem Amte. Wilhelm Schäfer wurde in der Generalversammlung vom 28. Januar 1951 als einer der eifrigsten Sänger und als langjähriges Vorstandsmitglied zu Ehrenvorsitzenden ernannt. Ab 1975 war er Alterspräsident. An 04. Mai 1977 ging er für immer von uns. Der GV "Eintracht" Hausen trat am 11. August 1951 dem nach dem Kriege wieder neu gebildeten Sängerbund "Hüttenberg-Schiffenberg" bei. Dieser war laut seiner Satzung vom 13.12.1952 bereits am 01.04.1909 gegründet worden. Wahrscheinlich wurde auch er 1933 aufgelöst und es kam nach 1945 zur Neugründung. Die von ihm jährlich ausgerichteten Bundeswertungssingen werden von der "Eintracht" seit 1952 regelmäßig besucht. Im Jahr 1952 legte Philipp Schneider den Dirigentenstab bei der "Eintracht" in Hausen nieder.

Als neuer Chorleiter (so nennen sich die bisherigen Dirigenten nunmehr) wurde Ernst Nicolai aus Großen-Buseck verpflichtet. Unter seiner Stabführung erlebte der GV "Eintracht" Hausen seinen ersten Aufschwung nach dem Kriege. Waren schon die jährlichen Bundeswertungssingen Ansporn zu immer höheren Leistungen, so studierte er auch größere Chorwerke ein, die zum Teil mit Begleitung seines Harmonika-Schülerorchesters zur Aufführung kamen. Als jährlicher Höhepunkt im Gesangsleben kann das Treffen aller Vereine des Chorleiters, einschließlich des Schülerorchesters, herausgestellt werden. Die "Chorgruppe Nicolai" unternahm 1955 einen gemeinsamen Ausflug nach Ingelheim.
Am 1. Osterfeiertag 1956 veranstaltete der GV "Eintracht" Hausen ein Konzert. Im gleichen Jahr wurde das Ehrenmal für die Gefallenen und Vermissten beider Weltkriege auf dem Friedhof eingeweiht. Diese denkwürdige Stunde wurde von der "Eintracht" mit Liedvorträgen würdig umrahmt. In den Jahren nach dem 2. Weltkrieg wurden, nach dem sich das Gesangsleben wieder stabilisiert hatte, auch wieder Sängerfeste besucht und Ausflüge durchgeführt. Unter anderem führten sie 1957 nach Kelsterbach und 1958 nach Oppenheim. Inzwischen rüstete man sich für das 75-jährige Jubiläum des GV "Eintracht" Hausen.

Dieses Fest wurde vom 06. bis 08. Juni 1959 auf der "Bette" (der heutigen unteren Waldstraße) gefeiert. Es begann am Samstag, dem 06. Juni mit einer Totengedenkfeier auf dem Friedhof. An dem Festkommers am gleichen Abend wirkte der ev. Kirchenchor Hausen, das Harmonika-Schüler-Orchester des Chorleiters Ernst Nicolai und der TV 1864 Hausen mit. Am Sonntag, dem 07. Juni begann um 7.30 Uhr das Wertungssingen des Sängerbundes "Hüttenberg-Schiffenberg" im Festzelt. Am Nachmittag stellten sich weitere Gastvereine mit ihren Chören und Liedern vor. Das Fest nahm, dank sehr guter Vorbereitungen, einen harmonischen Verlauf. Die gute Feststimmung konnte auch nicht durch "höhere Gewalt" getrübt werden. Nach dem nämlich der Festzug heil und trocken auf dem Festplatz angekommen war, ergoss sich ein heftiger Gewitterregen über den Platz. Das Wasser floss in Strömen mitten durch das Festzelt. Die in zweifacher Hinsicht feucht-fröhliche Stimmung hielt indes unvermindert an, zumal ja bald wieder die Sonne lachte. Das Fest klang am Montag mit einem musikalischen Frühschoppen und anschließendem Volksfest aus. Es war ein großes Ereignis für das ganze Dorf und ein stolzer Erfolg für den Jubelverein. Ein schöner Bildband erinnert noch heute an die unvergessenen Tage.

Der Chronist schreibt weiter (der erste Teil der Chronik wurde zum 100-jährigen Jubiläum im Jahr 1984 von Erwin Jammer niedergeschrieben):
Inzwischen sind nun weitere 25 Jahre ins Land gegangen. Gewaltige Fortschritte und Veränderungen kennzeichnen dieses vergangene Vierteljahrhundert. Denkt man doch nur an die enorme Weiterentwicklung auf dem Gebiet der Elektronik, mit den so vielseitigen, zum Teil aber auch nachdenklich stimmenden Errungenschaften, oder zum Beispiel an den 20. Juli 1969, an den Tag als zum ersten Male ein Mensch unseres Planeten den Mond betrat… Deutschland (oder was von ihm geblieben ist) ist inzwischen in zwei selbstständige Staatsgebilde geteilt, die sich jeweils den Machtblöcken in West bzw. Ost angeschlossen haben. Das wichtigste Ereignis in unserer engeren Heimat war sicher die Bildung der Großgemeinde Pohlheim am 31.12.1970, womit Hausen, das über viele Jahrhunderte als selbstständige Gemeinde bestanden hatte, aufhörte zu existieren. Solche "Zusammenschlüsse" vollzogen sich in dieser Zeit in der gesamten Bundesrepublik Deutschland (BRD). Selbst die Universitätsstadt Gießen blieb damals nicht verschont und ging, allerdings nur für einige Jahre, in der Großstadt "Lahn" unter.


Die Bundesrepublik erlebte nach 1948 einen wirtschaftlichen Aufschwung ungeahnten Ausmaßes und brachte den Menschen einen nie gekannten Wohlstand. Damit veränderte sich aber auch gesellschaftlichen Grundformen, was sich schließlich auch im Vereinsleben niederschlug. Führte die technologische Entwicklung im vorigen Jahrhundert die Menschen zusammen und zu zahlreichen Vereinsgründungen, so birgt die Entwicklung der jüngsten Zeit die Gefahr zum Gegenteil in sich. Wer in den Jahresberichten des GV "Eintracht" der 50er Jahre stets von Aufschwung, von Neuzugängen insbesondere von jungen Sängern die Rede, so klagen die Berichte der 60er Jahre bereits oft über nachlassendes Interesse und mangelhaftem Singstundenbesuch. Hier werden zweifellos die Veränderungen deutlich. Das Angebot an Unterhaltungsmöglichkeiten und zur Freizeitgestaltung wurde (und wird) immer umfangreicher. Man denke doch nur an das Fernsehen, oder an die Diskotheken, welche die jungen Menschen in besonderer Weise anziehen, auch an die Beweglichkeit durch zunehmende Motorisierung. Dass Gesangvereine vielerorts über Nachwuchsmangel klagen, ist u.a. in dieser Entwicklung begründet. Auch die Umgestaltungen im Schulwesen dürften zu dem mangelnden Nachwuchs beigetragen haben. In den frühen Jahren blieben die Schuljahrgänge zum großen Teil bis zum Schulabgang in der Schule ihrer Heimatgemeinde zusammen. Die Lehrer - oft auch als Chorleiter bei einem Ortsverein tätig - hatten engen Kontakt mit ihrer Gemeinde und zu den Gesangvereinen. Sie führten dadurch die jungen Menschen fast zwangsläufig den Vereinen zu. Diese wichtige Quelle fehlt inzwischen!!

Um diesen Nachwuchssorgen zu begegnen, versuchte man in Hausen einen eigenen, neuen Weg. Sangesbruder Walter Buchner rief 1976 die Jungen und Mädchen zum gemeinsamen singen und musizieren auf. Das Echo war überraschen, denn unerwartet viele Kinder kamen. Bald war eine stolze Singschar und Musikgruppe gebildet. Mit Unterstützung der Sangesbrüder Karl-Heinz Dobler und Horst Briegel konnte Walter Buchner bald seine "Eintrachtspatzen", wie sie sich nannten, öffentlich vorstellen. Sie wirkten gelegentlich bei Veranstaltungen der "Eintracht" mit und veranstalteten schließlich ihren eigenen "Talentschuppen". Der Initiative von Walter Buchner und seinen jungen Helfern verdankt die "Eintracht" inzwischen einen beachtlichen jungen Nachwuchs. So konnte die Talfahrt gebremst werden. Seit einigen Jahren geht es mit der "Eintracht" kontinuierlich aufwärts. Seit der Karnevalskampagne 1977/1978 treten die "Krawalljos" regelmäßig in den Prunksitzungen des TV 1864 Hausen mit ihren selbst getexteten Liedern auf. Es sind Sänger der "Eintracht", die auch Mitglieder des TV sind. Dies trifft auch für die "Flamingos" zu, die als Gesangsgruppe bereits seit 1958 regelmäßig bei den Karnevalsveranstaltungen des TV mitwirken.

Wie in so vielen Bereichen unserer Gesellschaft hat sich auch das Gesangswesen im Laufe der Zeit erheblich verändert. In den ersten Jahren sangen die Vereine einfache Volks- und Heimatlieder, wie ein "Liederalbum für Vereine" aus dem Jahre 1903 beweist. Mit dem Entstehen der Gesangvereine wuchs auch die Aktivität der Komponisten. Das, was da entstand, wurde immer anspruchsvoller. Die Kompositionen der jüngsten Zeit weisen bei ihrem modernen Aufbau inzwischen oft hohe Schwierigkeitsgrade auf, womit an die Sänger große Anforderungen gestellt werden. Das Leistungsniveau der Gesangvereine hat allgemein einen hohen Stand erreicht. Die Gesangswettstreite und Wertungssingen zeugen davon. Sprach man früher stets vom "Deutschen Lied" und vom "Deutschen Männergesang", so ist auch hier - besonders in den letzten 25 Jahren - eine deutliche Veränderung zu erkennen. Die zeitgenössischen Komponisten suchen Volksliedgut aus aller Welt.


Sie setzen diese, unter Beibehaltung der Urmelodie, für deutsche Chöre, wobei das internationale Liedgut die typischen Rhythmen der Herkunftsländer und die Mentalität der Völker widerspiegelt. Die Gesangvereine verfügen heute über ein breites Spektrum der Liedauswahl. Es reicht vom alten Volkslied, über die alten deutschen Klassiker, bis hin zu den modernen Neuschöpfungen unserer Tage.

Das Vereinsleben der "Eintracht" entwickelte sich bisher unter diesen Aspekten bei reger Aktivität weiter. Im Laufe der Jahre vollzogen sich auch manche Veränderungen. Im Jahr 1966 gab Theo Maid das Amt des 1. Vorsitzenden nach 15-jähriger Tätigkeit an Friedel Lang ab. Er (Theo Maid) hatten der Vorstand bereits seit 1948 als Beisitzer und seit 1950 als zweiter Vorsitzender angehört. Er war stets unermüdlich für seine "Eintracht" da und hat dem Verein während der 15 Jahre mit beispiellosem Eifer und persönlichem Einsatz vorgestanden. Er wurde in Anerkennung seiner Verdienste 1966 zum Ehrenvorsitzenden und 1978 zum Alterspräsident ernannt. Er verstarb, allzu früh, am 28.10.1981. Friedel Lang war 1. Vorsitzender des GV "Eintracht" Hausen von 1966 - 1972. In diesen Jahren war er auch zweiter Vorsitzender des Sängerbundes "Hüttenberg-Schiffenberg". 1978 wurde er zum Ehrenvorsitzenden der "Eintracht" ernannt. Ihm folgt im Amt des ersten Vorsitzenden von 1972 - 1976 Walter Buchner, der Begründer der "Eintrachtspatzen". Ab 1976 steht Alois Cerwenka der "Eintracht" als 1. Vorsitzender vor. Seine Kontaktfreudigkeit und Aktivität in anderen Ortsvereinen ist es zu verdanke, dass weitere Sänger zur "Eintracht" fanden. Er war es auch, der Initiative ergriff, an Pokalwettstreiten teilzunehmen. Mit Ablauf des Jahres 1972 legte Ernst Nicolai nach mehr als 20-jähriger Tätigkeit den Stab bei der "Eintracht" in Hausen nieder. Er wurde im Rahmen eines Familienabends am 09. Dezember 1972 verabschiedet und zum Ehrenchorleiter ernannt. Im Silvestergottesdienst 1972 dirigierte er die "Eintracht" zum letzten Mal. Er ist 1982 verstorben. Sein Nachfolger bei der "Eintracht" in Hausen wurde Walter Jung aus Watzenborn-Steinberg. Mit ihm wurde ein junger Chorleiter verpflichtet, der sich mit Leib und Seele dem Chorgesang verschrieben hat. Unter seiner Stabführung durfte der Verein eine Leistungssteigerung erfahren, welche die Sänger ermutigte, an einigen Pokalwettstreiten teilzunehmen.

Der GV "Eintracht" Hausen hat sich stets als Kulturträger innerhalb der Gemeinde und darüber hinaus, sowie als Bindeglied im dörflichen Gemeinschaftsleben verstanden. Diese Aufgabenstellung findet ihre Bestätigung in der Mitwirkung bei vielen öffentlichen Anlässen, wie Veranstaltungen und Jubiläen der übrigen Ortsvereine und anderen herausragenden Ereignissen. So ist es seit vielen Jahren selbstverständlich, dass die Feierstunde am Volkstrauertag auf dem Friedhof gesanglich umrahmt wird und dass im Silvestergottesdienst gesungen wird. Dank des gemeinsamen Chorleiters wurde es möglich, gelegentlich mit dem evangelischen Kirchenchor Hausen gemeinsam aufzutreten, so z.B. an Heilig Abend 1974 und 1976 in der evangelischen Kirche in Hausen. Die "Eintracht" wirkte viele Male bei den Feiern zum 1. Mai und bei Altennachmittagen mit. Sie brachte auch schon wiederholt den alten Menschen im Altenheim Petri mit ihren Liedern ein wenig Freude und Abwechslung.
1970 führte ein Tagesausflug die "Eintracht" in das schöne Weserbergland. Das Jahr 1974 stand ganz im Zeichen des 90-jährigen Jubiläums des GV "Eintracht" Hausen. Am 04. Mai veranstaltete er ein abendliches Konzert in der ehrwürdigen Basilika des Schiffenberges. Hierzu konnte das "Vokalensemble Trageser" - Leiter: Musikdirektor Trageser aus Bad Orb - verpflichtet werden.

Die Vorträge des hochqualifizierten Chores wurden vom zahlreichen Publikum mit Begeisterung aufgenommen. Dieses Konzert an einem milden Maiabend war für alle ein erhebendes Erlebnis. Ein würdiger Auftakt zum Jubiläumsjahr. Die Ausrichtung des "Pohlheimer Sängertreffens", das 1972 erstmalig zur Austragung kam, wurde für 1974, aus gegebenem Anlass, dem GV "Eintracht" Hausen übertragen. Es wurde am 23. August, dem Freitag vor der Kirmes, bei guter Beteiligung aller Pohlheimer Gesangvereine im Kirmeszelt durchgeführt. Den Kirmessamstag 1974 gestaltete die "Eintracht" in Form eines bunten Abends, an dem u.a. das Mandolinen-Orchester aus Weickartshain mitwirkte. Es war ein wohl gelungener Abend, der sehr gut besucht war. Als Dankeschön besuchten die Eintracht-Sänger mit Anhang 1976 das, vom Mandolinen-Orchester ausgerichtete Weinfest in Weickartshain. Zum Abschluss des ereignisreichen Jubiläumsjahres 1974 veranstaltete die "Eintracht" am 21. Dezember einen gemütlichen Abend, diesmal gemeinsam mit dem TV 1864, der Heimatvereinigung und der Fotogruppe.

In der Zeit vom 01.04.1975 bis Ende 1976 wurden die Singstunden im Pfarrsaal der evangelischen Kirchengemeinde Hausen abgehalten, weil der kleine Saal des Vereinslokals nicht mehr den Erfordernissen entsprach. Nach Umbau des großen Saals kehrte man im Januar 1977 wieder ins Vereinslokal zurück. Das Konzert am 04. Mai 1974 auf dem Schiffenberg einen so großen Anklang gefunden hatte, wurde am 14. Juni 1975 dort ein weiteres veranstaltet. Mitwirkende waren die Chorgruppe Walter Jung (sie bestand zu dieser Zeit aus dem ev. Kirchenchor Hausen, dem ev. Frauenchor Steinbach, dem Jugendchor des MGV "Jugendfreund" Watzenborn-Steinberg und dem ausrichtenden Verein, dem GV "Eintracht" Hausen), ferner Frau Gabriele Schönauer aus Gießen, Frau Iris Vogel aus Kirchvers und Dieter Schäfer aus Watzenborn-Steinberg als Solisten, sowie Frau Irene Allroggen aus Gießen am Klavier. Auch dieser Abend, der wiederum sehr gut besucht war, kann als Höhepunkt im Vereinsleben der "Eintracht" genannt werden.

Am 12.09.1975 startete man zu einer Mehrtagesfahrt nach Ostfrankreich an die schöne Elsässer Weinstraße. In Colmar verlebte man mit dem dortigen Gesangverein einen schönen Abend bei Lied, Wein und ausgelassener Fröhlichkeit. Herausragendes Ereignis im Jahre 1976 war das vom GV "Eintracht" vorbereitete Chor- und Orgelkonzert in der ev. Kirche Hausen am 18. Januar. Der Reinerlös wurde der Heilerziehung- und Pflegeanstalt für geistig und körperlich schwerbehinderte Menschen in Scheuer (Nassau/Lahn) zugeführt. Außer dem ausrichtenden Verein wirkte der ev. Kirchenchor und Frl. Petra Kolmer (Orgel) bei dieser wieder gut besuchten Veranstaltung mit. 1976 wurde eine neue Vereinssatzung verabschiedet, womit der GV "Eintracht" Hausen als gemeinnütziger Verein anerkannt wurde. An der Wohltätigkeitsveranstaltung zu Gunsten der vorgesehenen Krankenpflegestation am 17.04.1977 wirkte die "Eintracht" ebenfalls maßgeblich mit. Die Teilnehmer an der Viertagesfahrt im Mai 1977 in das Berner Oberland (Schweiz) erinnern sich noch gerne an die erlebnisreichen Tage. Ein besonderes Ereignis im Jahre 1978 war, das vom Sängerbund "Hüttenberg-Schiffenberg", am 08. Oktober ausgerichtete Konzert in der Kongresshalle Gießen aus Anlass des 150. Todestages von Franz Schubert.
Zur Aufführung kam ein bunter Strauß von Schubert-Melodien. Die "Eintracht" Hausen trat mit zwei Liedvorträgen gemeinsam mit dem MGV 1862 Kirch-Göns auf. In der Jahreshauptversammlung am 10.03.1979 wurde Heinrich Müller (Bachstr.) besonders geehrt. Über 60 Jahre hat er aktiv gesungen.

Wahrlich ein seltenes Jubiläum. Er gehört viele Jahre auch dem Vorstand an. Wenn er sich auch im Mai 1980, inzwischen 85 Jahre alt geworden, aus dem aktiven Sängerleben zurückzog, so hängt sein Herz nach wie vor an der "Eintracht". Im Mai 1979 brachte eine Mehrtagesfahrt nach Menzenschwand im Schwarzwald willkommene Abwechslung für die Sänger. Die Teilnehmer erlebten neben ausgedehnten Wanderungen durch die herrliche Schwarzwaldlandschaft unter anderem einen fröhlichen Heimatabend. Seit 1979 gestaltet der GV "Eintracht" gemeinsam mit dem TV 1864 Hausen und der Heimatvereinigung an einem Adventssonntag eine Kinderbescherung, die sich inzwischen großer Beliebtheit erfreut. Die drei Vereine laden seit einigen Jahren auch zu gemeinsamen Weihnachts- oder Ostertanzveranstaltungen ein.

Im September 1980 fuhr man für drei Tage nach Wieda im Harz. Dieser Ausflug führte u.a. auch an die deutsch-deutsche Grenze, deren Anlagen viele Teilnehmer zum ersten Male zu Gesicht bekamen. Die "Eintracht" veranstaltete am 28.09.1980 ihren ersten musikalischen Frühschoppen. Es spielte das Blasorchester der TSG Steinbach. Es war ein gelungenes Experiment. Die zahlreichen Gäste waren begeistert. Nach diesem guten Start wird der musikalische Frühschoppen nunmehr alljährlich durchgeführt. Am Kirmessamstag 1982 wirkte die "Eintracht" beim bunten Abend mit. Im September 1982 startete man mal wieder zu einem Ausflug. Diesmal ging es für einige Tage nach Hardegsen im Weserbergland. Der Familienabend am 23.10.1982 war der rechte Zeitpunkt, dem Chorleiter Walter Jung für seine nunmehr 10-jährige erfolgreiche Tätigkeit bei der "Eintracht" zu danken. Dieses erfolgreiche Wirken des Chorleiters fand seinen vorläufigen Höhepunkt 1993. Beim Pokalwettstreit in Pfaffenwiesbach errang der GV "Eintracht" Hausen in der Männerklasse I mit nur einem Punkt Rückstand hinter dem Sieger den zweiten Platz. Außerdem gewann man den ersten Volksliederpreis. Fünf Tage später nahm er am Pokalfreundschaftssingen der Sängervereinigung "Eintracht-Fidelio" Ober-Widdersheim teil. Als Wertungsrichter fungierte das kritische, aber objektive Publikum. Dieses gab dem GV "Eintracht" Hausen, bei 26 teilnehmenden Vereinen, mit 88 Punkten die weitaus beste Bewertung. Der nächstfolgende Verein erhielt nur 51 Punkte. Auch die Vereine des derzeitigen Chorleiters treffen sich in jedem Jahr einmal als große Sängerfamilie. Dieses gemeinschaftliche Singen im friedlichen Wetteifern ist immer wieder ein schönes Erlebnis und ein Höhepunkt im Sängerjahr. 1982 entschieden sich die Eintracht-Sänger für eine einheitliche Sängerkleidung - schwarze Hose / weißes Hemd / weinroter Binder. Im Winter 1983 / 1984 kam die einheitliche graue Jacke hinzu.